Martin Gehrigk
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Das Hohelied
Des Weibes Leib ist ein Gedicht, Ja, günstig war die Stunde ihm, Fürwahr, der Leib des Weibes ist O welche göttliche Idee Der Brüstchen Rosenknospen sind Das ist kein abstraktes Begriffspoem! Hier atmet wahre Poesie! Lobsingen will ich dir, o Herr, Versenken will ich mich, o Herr, Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
das Gott der Herr geschrieben
ins große Stammbuch der Natur,
als ihn der Geist getrieben.
der Gott war hoch begeistert;
er hat den spröden, rebellischen Stoff
ganz künstlerisch bemeistert.
das Hohelied der Lieder;
gar wunderbare Strophen sind
die schlanken, weißen Glieder.
ist dieser Hals, der blanke,
worauf sich wiegt der kleine Kopf,
der lockige Hauptgedanke!
epigrammatisch gefeilet;
unsäglich entzückend ist die Zäsur,
die streng den Busen teilet.
Den plastischen Schöpfer offenbart
der Hüften Parallele;
der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
ist auch eine schöne Stelle.
Das Lied hat Fleisch und Rippen,
hat Hand und Fuß; es lacht und küsst
mit schöngereimten Lippen.
Anmut in jeder Wendung!
Und auf der Stirne trägt das Lied
den Stempel der Vollendung.
und dich im Staub anbeten!
Wir sind nur Stümper gegen dich,
den himmlischen Poeten.
in deines Liedes Prächten;
ich widme seinem Studium
den Tag mitsamt den Nächten.
will keine Zeit verlieren;
die Beine werden mir so dünn -
das kommt vom vielen Studieren.
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