Martin Gehrigk
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Miserere
Heinrich Heine
Die Söhne des Glückes beneid ich nicht Im Prachtgewand, das Haupt bekränzt Wie sehr muss ich beneiden ihr Los! Ob deiner Inkonsequenz, o Herr, Der Schmerz verdumpft den heitern Sinn
ob ihrem Leben, beneiden
will ich sie nur ob ihrem Tod,
dem schmerzlos raschen Verscheiden.
und Lachen auf der Lippe,
sitzen sie froh beim Lebensbankett -
da trifft sie jählings die Hippe.
Im Restkleid und mit Rosen geschmückt,
die noch wie lebend blühten,
gelangen in das Schattenreich
Fortunas Favoriten.
Nie hatte Siechtum sie entstellt,
sind Tote von guter Miene,
und huldreich empfängt sie an ihrem Hof
Zarewna Proserpine.
Schon sieben Jahre mit herben,
qualvollen Gebresten wälz ich mich
am Boden und kann nicht sterben.
O Gott, verkürze meine Qual,
damit man mich bald begrabe;
du weißt ja, dass ich kein Talent
zum Martyrtume habe.
erlaube, dass ich staune:
du schufest den fröhlichsten Dichter, und raubst
ihm jetzt seine gute Laune.
und macht mich melancholisch;
nimmt nicht der traurige Spaß ein End,
so werd ich am Ende katholisch.
Ich heule dir dann die Ohren voll,
wie andre gute Christen -
o Miserere! Verloren geht
der beste der Humoristen!
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