Lied vom kleinen Wind
Bertolt Brecht
Eil, Liebster, zu mir, teurer Gast,
wie ich keinen teurern find.
Doch wenn du mich im Arme hast,
dann sei nicht zu geschwind.
Nimm`s von den Pflaumen im Herbste,
wo reif zum Pflücken sind.
Und haben Furcht vorm mächt`gen Sturm
und Lust auf `n kleinen Wind.
So`n kleiner Wind, du spürst ihn kaum,
`s ist wie ein sanftes Wiegen.
Die Pflaumen woll`n ja so vom Baum,
woll`n auf `m Boden liegen.
Lass, Schnitter, lass es sein genug.
Lass, Schnitter, ein` Halm stehn.
Trink nicht den Wein in einem Zug
und küss mich nicht im Gehn.
Nimm`s von den Pflaumen im Herbste,
wo reif zum Pflücken sind.
Und haben Furcht vorm mächt`gen Sturm
und Lust auf `n kleinen Wind.
So`n kleiner Wind, du spürst ihn kaum,
`s ist wie ein sanftes Wiegen.
Die Pflaumen woll`n ja so vom Baum,
woll`n auf `m Boden liegen.
"Schweyk im zweiten Weltkrieg". 1943
(Bertolt Brecht, Gedichte 6 (C) Copyright Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1964)